Brigitte Thonhauser
In Louisiana findet man frankophone Zeichen, die paradoxerweise trotz des Verschwindens der französischen Sprache aus dem Alltag ein gewisses Ansehen genießen. Ein historischer Überblick zeigt die Entstehung dieses frankophonen Volkes und seiner Sprache durch mehrere Einwanderungswellen, die Deportation der Akadier, seine Beziehungen zur indianischen Urbevölkerung und zu den schwarzen Sklaven auf den Plantagen, seine Stellung im Zuge der Rivalitäten zwischen Frankreich, Großbritanniens und Spaniens sowie seinen Überlebenskampf unter amerikanischer Herrschaft nach dem Verkauf Louisianas an die Vereinigten Staaten durch Napoleon bis hin zur Wiederbelebung der fast verschwundenen französischen Sprache dank des CODOFIL. Bestimmte Orte der Erinnerung im Sinne von Paul Nora wecken die Erinnerung an das alte Frankreich: Stad- und Straßennamen, Denkmäler, Musik, Kunst und Literatur, Religion, Küche und Folklore wie der Mardi Gras, aber auch der Code Noir und das Code Civil. Sich als „Cajun' zu bezeichnen, dient sogar der englischsprachigen schwarzen oder weißen Bevölkerung Louisianas zur Identifikation mit einer mythischen, als glorreich imaginierten Vergangenheit, die auch Touristen anzieht.