Uri Jerzy Nachimson
Über mehr als tausend Jahre lebten Juden auf Sizilien im Rhythmus des Mittelmeers. Seit der Römerzeit gründeten sie Gemeinden in Palermo, Messina, Syrakus und Catania, bauten Synagogen, betrieben Handel und pflegten Gelehrsamkeit. Gebet und Alltag, Meer und Markt bildeten eine Einheit.Unter arabischer Herrschaft erlebte das jüdische Leben eine Blütezeit. Juden reisten frei zwischen Sizilien, Nordafrika und Al-Andalus, wirkten als Ärzte, Kaufleute und Gelehrte; Hebräisch und Arabisch verbanden sich, religiöse Gesänge mischten sich mit andalusischen Klängen.Auch Normannen und Staufer gewährten Schutz. Doch mit der spanischen Herrschaft im 15. Jahrhundert änderte sich alles: Verfolgung, Zwangstaufen und Denunziationen zerstörten den fragilen Frieden. Dennoch brannten die Sabbatlichter weiter.1492 kam der endgültige Bruch. Tausende Juden mussten Sizilien verlassen und wurden auf dem Meer, das einst ihre Heimat war, zu Flüchtlingen. Die Verbliebenen lebten als Konvertiten im Verborgenen; die Vertriebenen trugen die Erinnerung an die Insel mit sich fort.So erlosch das jüdische Leben Siziliens - doch sein Nachglanz blieb im Gedächtnis des Mittelmeers bestehen.Vor diesem Hintergrund entfaltete sich die verbotene Liebe zwischen Sofia Pellegrini, der Tochter eines katholischen Weinhändlers, und Lorenzo di Montalbano, dem Erben einer mächtigen Familie aus Syrakus.