Sascha Ferber
Zitate der Vernunft - Fundament und AufrufDie Stimmen der Aufklärung - kommentiert und neu gelesen im Licht einer neuen Epoche der Aufklärung;Begleitband zu Eine neue Epoche der Aufklärung, Band 1 Wir leben in einer Epoche der Ideologien. Was einst als berechtigte Skepsis begann, hat sich in etwas anderes verwandelt: Gefühle, Narrative und Interessenpolitik treten an die Stelle von Vernunft und Faktenprüfung. Das Immunsystem des Denkens - Logik, das Prinzip des ausgeschlossenen Widerspruchs, die Forderung nach überprüfbaren Prämissen - wird abgestoßen. In das Vakuum strömen Überzeugungen, die ihre eigenen Grundlagen für unangreifbar erklären und jeden Widerspruch als moralische Verfehlung behandeln.Doch das Fundament, auf dem eine neue Aufklärung errichtet werden kann, ist nicht verschwunden. Es ist nur verschüttet.Zitate der Vernunft ist kein weiteres Buch schöner Sprüche über Freiheit und Vernunft. Es ist ein Gesprächsband, der die großen Sätze der Aufklärung - und die Stimmen späterer Jahrhunderte - neu liest. Von Kant und Wieland, Voltaire und Rousseau, Montesquieu und Hume, Adam Smith und Mary Wollstonecraft, Paine und Jefferson bis zu Arendt, Havel, Popper, Orwell und Martin Luther King. Die Zitate sind nicht nach Autoren oder Epochen geordnet, sondern nach Gedanken. Dreizehn Abschnitte führen von der Frage, was Aufklärung ist und wer sie fürchtet, über die Kritik der Ideologien, die Sprache, die Meinungsfreiheit, die Begrenzung der Macht, Recht und Wirtschaft, das Menschenbild und die Bildung des Charakters bis zum gelingenden Leben und zum Aufbruch.Jeder Abschnitt beginnt mit einer eigenen Einleitung. Zwischen den Zitaten stehen Zwischenbetrachtungen, die die Stimmen miteinander ins Gespräch bringen, einordnen und - wo nötig - widersprechen. Vor jeder Deutung steht die Frage, was ein Satz ursprünglich bedeutet hat, in welchem Zusammenhang er gesagt wurde und ob er überhaupt von dem stammt, dem er zugeschrieben wird. Denn eine Zitatsammlung, die dem Programm der Aufklärung dienen will, muss sich selbst an dessen Maßstab messen lassen.Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, die auch das Hauptwerk des Autors trägt: Kant gibt das Prinzip, Wieland gibt die Praxis. Mündigkeit ist keine Eigenschaft, die man besitzt, sondern eine Praxis, die man pflegt oder vernachlässigt. Vernunft ohne Güte wird zur bloßen Technik der Zielerreichung. Freiheit braucht Gegengewichte - politisch wie wirtschaftlich. Und der Träger einer neuen Aufklärung ist nicht der Staat oder eine Bewegung, sondern der Einzelne, der beschließt, anders zu denken, zu sprechen und zu handeln.Dieses Buch ist kein Lexikon und kein Brevier. Es ist eine Einladung. Man kann es von vorn nach hinten lesen oder es aufschlagen, wo man will. Es verlangt keine Zustimmung. Es verlangt nur, was Lessing als den eigentlichen Wert des Menschen beschrieben hat: die aufrichtige Mühe, hinter die Wahrheit zu kommen.Zitate der Vernunft ist der Begleitband zu Eine neue Epoche der Aufklärung (Band 1). Es zeigt, dass die Stimmen der Aufklärung nicht verstummt sind. Sie warten darauf, neu gehört zu werden.Das Licht verblasst nicht für immer. Es muss neu entzündet werden.